Mutige Märtyrerinnen der Nächstenliebe

Feb 28, 2023 | Märtyrer des Monats, Meldungen

„Märtyrerinnen des Monats März 2023“

 

In der südjemenitischen Hafenstadt Aden haben die von Mutter Teresa gegründeten „Missionarinnen der Nächstenliebe“ seit 1992 ein Haus für bis zu 80 Alte und Pflegebedürftige betrieben. Am Freitag, 4. März 2016, waren die Straßen Adens wegen des muslimischen Freitagsgebets wie leergefegt. Die Ruhe wurde jäh unterbrochen, als vier radikalislamische Terroristen in blaue Uniformen gekleidet und bewaffnet das Heim stürmten. Die fünf Ordensfrauen – die indische Schwester Anselm, 59 Jahre alt, die 41-jährige Judith aus Kenia, sowie die beiden ruandischen Schwestern Marguerite, 43 Jahre alt, und Reginette, 32 Jahre alt, sowie die Oberin Schwester Sally – hatten gerade ihren Gottesdienst beendet und ihren Dienst begonnen. Sie waren dabei, Essen zuzubereiten. Wie sich später herausstellte, nutzten die Angreifer die Arglosigkeit der Angestellten im Empfang und verschafften sich unter dem Vorwand, „ihre Mütter besuchen zu wollen“, Zugang zum Wohnheim.

Jeweils zwei der Nonnen flüchteten in verschiedene Richtungen, während Schwester Sally zum angrenzenden Kloster rannte, um den aus Indien stammenden Hausgeistlichen, Salesianerpater Tom Uzhunnalil, zu warnen. Zuerst ergriffen die Bewaffneten Schwester Reginette und Schwester Judith, fesselten sie und ermordeten sie durch Kopfschüsse. Danach ereilte die Schwestern Anselm und Marguerite dasselbe Schicksal. Auch zwölf Hausmitarbeiter fielen dem Massaker zum Opfer. Nachdem sie Pater Tom alarmiert hatte, war es Schwester Sally gelungen, sich in einem Kühlraum zu verstecken und so zu überleben. Die alten und behinderten Heimbewohner blieben verschont.

Nachdem er gewarnt worden war, versuchte Pater Tom die geweihten Hostien aus dem Tabernakel vor einer möglichen Schändung zu bewahren, indem er sie konsumierte. Tatsächlich zerstörten die Täter den Tabernakel und den Altar sowie Kreuze, Bibel und Gebetbücher im Kloster. Sie brachten schließlich Pater Tom in ihre Gewalt und verschleppten ihn.

Das Schicksal von Pater Thomas blieb lange ungeklärt. „Islamisten haben am Karfreitag einen indischen Priester im Bürgerkriegsland Jemen gekreuzigt“, hieß es Ende März 2016 in Medienberichten irrtümlich. Im Juli desselben Jahres und nochmals im darauffolgenden Dezember tauchten Videos mit seinen flehentlichen Appellen auf, sich für ihn einzusetzen. Weltweit verfassten Menschen Bittschreiben und beteten für seine Rettung. Nach 18 Monaten Geiselhaft kam er schließlich am 12. September 2017 frei. Ziemlich genau zwei Jahre später, am 15. September 2019, erhielt Pater Tom Uzhunnalil bei einem Festakt im Rittersaal des Deutschordenshauses in Frankfurt am Main den Stephanuspreis der Stephanus-Stiftung für verfolgte Christen, wobei er über die Kraft des fürbittenden Gebets Zeugnis ablegte.

Die ermordete Schwester Anselm war die jüngste von sieben Geschwistern einer indischen Bauernfamilie. Mitschwestern sagen über sie, dass sie aus der Liebe zu den Menschen lebte und so auch starb. Die Jüngste der getöteten „Missionarinnen der Nächstenliebe“ war die ruandische Schwester Reginette mit 32 Jahren. Sie wird als „großherzig“ und „voll Eifer für die Seelen“ beschrieben. Sie war sich der Gefahr ihres Einsatzes im Jemen bewusst, wie Priester und auch Verwandte nach Telefonaten bezeugten. Sie war aber zum Bleiben entschlossen, um den alten und gebrechlichen Menschen zu dienen. Ein letzter Brief der Schwestern an ihre Vorgesetzten liest sich wie ein geistliches Vermächtnis:

„Jedes Mal, wenn die Bombardierungen an Heftigkeit zunehmen, knien wir vor dem ausgesetzten Allerheiligsten nieder und bitten den barmherzigen Jesus, unsere Armen zu beschützen und zu verteidigen und diesem Land Frieden zu schenken. Wir werden nicht müde, an Gottes Herz anzuklopfen voll Vertrauen, dass dies alles ein Ende finden wird. Während draußen der Krieg tobt, rechnen wir, für wie viele Menschen wir noch wie lange Nahrung haben. Und jedes Mal fragen wir uns: Wird es für heute ausreichen? Die Bombardierungen gehen weiter, von allen Seiten hört man
Schießereien und wir haben Mehl nur für den heutigen Tag. Wie werden wir morgen unsere Armen ernähren können? Wir bereiten mit dem letzten Mehlsack und der letzten Flasche Öl das Essen und es ist wie in der Geschichte des Propheten Elija und der Witwe.


Mit liebendem Vertrauen und völliger Hingabe versammeln wir uns in unserem Haus, wenn die Bombardierungen heftig werden. Wir laufen regelrecht zusammen, weil wir Angst haben. Unsere menschliche Angst bringen wir in der Anbetung Gott dar. Manchmal durchschlagen Kugeln die Scheiben und dringen in die Räume ein. Dann versammeln wir uns im umfriedeten Garten unter einem Baum und stellen uns vor, dass er die Hand Gottes ist, die uns schützt. Aber meistens sind wir bei unseren Armen, vielen alten Menschen, manche sind blind, andere geistig oder körperlich behindert.

Gott wird von Seiner Großherzigkeit nie ablassen, solange wir mit Ihm und Seinen Armen sind. Wenn die Bomben explodieren, beten wir alle gemeinsam: Gemeinsam leben wir hier, gemeinsam werden wir hier sterben, wenn es so sein soll. Alles mit Jesus und Maria, unserer Mutter.“

(Brief veröffentlicht in „Missiothek“ – Ausgabe Spezial 2016)

Papst Franziskus verurteilte die Ermordung der vier Schwestern als „Akt der Sinnlosigkeit und der teuflischen Gewalt“. Er würdigte die „Missionarinnen der Nächstenliebe“ als „Märtyrer von heute“, die „ihr Blut für die Kirche gegeben haben“.

 

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