Märtyrer Bartolomé Blanco Márquez wurde vor neunzig Jahren hingerichtet

Okt 1, 2026 | Märtyrer des Monats, Meldungen

Bartolomé Blanco Márquez; Foto: privat

Der Katholische Gewerkschafter wurde zur Zielscheibe des Roten Terrors

Bartolomé Blanco Márquez kam am 25. November 1914 in Pozoblanco im Norden Andalusiens in einer Arbeiterfamilie zur Welt. Als Bartolomé erst drei Jahre alt war, erkrankte seine Mutter an der Spanischen Grippe und verstarb daran. Im Alter von zwölf Jahren verlor der Junge auch noch seinen Vater. So kam es, dass Bartolomé bei Onkel und Tante aufwuchs. Frühzeitig verließ er die Schule, um das Handwerk des Stuhlmachers zu erlernen, das sein Onkel ausübte. Mit 16 Jahren kam er im Oratorium der örtlichen Salesianer Don Boscos unter, wo er sich als arbeitender Jugendlicher weiterbilden konnte. Dort erwies sich Bartolomé als lerneifrig und schon bald darauf war er als Katechet im Einsatz. Mit bereits 18 Jahren wurde er für das Amt eines Sekretärs in der Katholischen Aktion ausgewählt. Es dauerte nicht lange, bis er auf höheren Ebenen dem Arbeiterapostolat diente, zum Delegaten der katholischen Gewerkschafter berufen wurde und schließlich international mit katholischen Arbeiterorganisationen aus Frankreich, Belgien und den Niederlanden zusammenarbeiten durfte.
Sein Weg zum Blutzeugnis
Am 17. Juli 1936 begann der Militär-Putsch gegen die Zweite Spanische Republik. Márquez leistete zu der Zeit Militärdienst in der Stadt Cádiz, die die Putschisten sehr früh unter ihre Kontrolle brachten. Sein Heimatort Pozoblanco hingegen stand während des Bürgerkriegs loyal zur Republik. Erst Ende März 1939 wurde der Ort schließlich von den Streitkräften Francisco Francos eingenommen.
Am 18. August 1936 befand sich Márquez in Pozoblanco, wohin er wohl arglos zurückgekehrt war. Dort verweigerte den Kriegsdienst in den republikanischen Milizen; er tat dies aus Gewissensgründen, die in seinem Glauben wurzelten. Der erst 21-Jährige wurde daraufhin festgenommen und am 24. September ins Gefängnis der Stadt Jaén verlegt, die auch von republikanischen Kräften kontrolliert wurde. Im Schnellverfahren bekannte er sich unerschütterlich zu seinem Glauben. Das Gericht verurteilte ihn zum Tode. Am 2. Oktober 1936 verließ er barfuß seine Zelle, um Christus ähnlicher zu sein, wie er bekannte, küsste noch seine Handschellen und wandte sich dem Erschießungskommando zu: „Wer für Christus stirbt, muss dies mit dem Gesicht nach vorne und mit entblößter Brust tun. Es lebe Christus, der König!“ So lauteten seine letzten Worte, bevor die Kugeln Bartolomé Blanco Márquez durchsiebten.
Schriftliche Zeugnisse tiefer Frömmigkeit
Die Briefe, die er vor seinem Tod an seine Angehörigen sowie seine Verlobte Maruja schrieb, belegen seinen tiefen Glauben. „Darum bitte ich euch, mich mit der Rache eines Christen zu rächen: indem ihr denen, die versucht haben, mir Böses anzutun, viel Gutes zurückgebt“, schrieb er an die Familie.
Das Ausmaß des Roten Terrors im Spanischen Bürgerkrieg von 1936 bis 1939 war gewaltig: Er gilt als die größte und blutigste antiklerikale Verfolgung auf europäischen Boden. Allein 6.832 katholische Bischöfe, Priester, Seminaristen und Ordensleute fielen den oftmals erschreckend brutalen Gewalttaten zum Opfer, zudem noch viele Laien, die sich offen zu ihrem katholischen Glauben bekannt hatten. Viele von ihnen wurden einfach nur verdächtigt, die Rebellion des Militärs zu legitimieren oder gar aktiv zu unterstützen. Die radikal-säkulare Religionspolitik unter Premierminister Manuel Azaña, ab Mai 1936 dann Präsident, hatte zu einer unüberwindbaren Spaltung beigetragen. Darüber hinaus gab es noch die Opfer der nationalistischen Seite, Christen, die sich eindeutig nicht durch diese Kräfte vereinnahmen ließen und unerschrocken bis in den Tod ihrem Glauben treu blieben.
Tausende Opfer – viele bereits als Märtyrer anerkannt
Die katholische Kirche begann während des Pontifikats Johannes Pauls II., sich mit vielen Blutzeugen aus der Phase des Spanischen Bürgerkriegs intensiv auseinanderzusetzen. Dieser Papst war persönlich Zeitzeuge zweier totalitärer Schreckensherrschaften und wohl daher besonders dem Gedenken an die Märtyrer dieser Despotien zugewandt. Seit Ende der achtziger Jahre stellte Rom nun spanische Märtyrer der Zeit ab 1936 als Glaubensvorbilder vor. Es kam schließlich zu kirchlichen Feiern der Superlative: Am 28. Oktober 2007 die bis dahin größte Seligsprechung der Kirchengeschichte von 498 spanischen Märtyrern. Bartolomé Blanco Márquez war eines dieser Opfer. Am 13. Oktober 2013 wurde die Feier durch eine Erhebung von weiteren 522 Märtyrern „zur Ehre der Altäre“ übertroffen wurde. Und dies sind lediglich zwei Beispiele der Anerkennung durch Rom.
Der Bürgerkrieg begann vor 90 Jahren und in den ersten Monaten geschahen wohl die meisten der Martyrien aus dieser Phase der spanischen Geschichte. An dieser Stelle werden künftig noch weitere Beispiele von Blutzeugen aus jener Zeit vorgestellt.

Michaela Koller
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Zusatzinfo zur Aufarbeitung in Spanien
Mit ihren Aufsehen erregenden Zeremonien massenhafter Seligsprechungen brach die Kirche als Erstes das Schweigen, setzte sich damit aber auch der Kritik aus: Um nach dem Tod des Diktators Francesco Franco 1975 während der „Transición“ – dem Übergang zur Demokratie – nur nicht die alten Konflikte wieder aufleben zu lassen, kam es unter den politischen Akteuren zum „Pacto de Silencio“: Die Vergangenheit sollte ruhen. Zementiert wurde diese Übereinkunft durch das Amnestiegesetz von 1977, das die juristische Aufarbeitung der Bürgerkriegszeit und der Diktatur verhinderte. Noch immer liegen Abertausende von Bürgerkriegsopfern in anonymen Massengräbern.
Erst um die Jahrtausendwende wurden die ersten dieser Ruhestätten geöffnet. Das Gesetz zum historischen Gedächtnis folgte im Jahr 2007, das unter anderem öffentliche Hilfen zur Identifizierung von Opfern vorsah. Das Gesetz über die demokratische Erinnerung von 2022 ersetzte dies schließlich und seither übernimmt der Staat die Öffnung von Massengräbern. Diese Grundlage regelt zudem den Opferschutz und stellt eine Basis dar, um eine Gedenkkultur begründen zu können: Sie verbietet erstmals die Glorifizierung der Franco-Herrschaft. Die Umbettung von Franco sowie des Falange-Gründers José Antonio Primo de Rivera aus dem Mausoleum des Valle de los Caidos – seit 19. Oktober 2022 Valle de Cuelgamuros – ist die Konsequenz daraus. An derselben Stelle befindet sich das größte bekannte Massengrab aus der Bürgerkriegszeit und anschließenden, autoritären Diktatur. (Die Benediktinerabtei „Heilig Kreuz im Tal der Gefallenen“, die über deren Gräbern die Heilige Messe feierte, besteht dort nach wie vor.) Zudem verpflichtet das Gesetz von 2022, die historischen Verbrechen im Schulunterricht zu behandeln.
Mit der Zeit werden auch weitere Narrative vernehmbar, darunter etwa das Schicksal der Kirche im Baskenland. Die seinerzeit katholische „Baskische Nationalistische Partei“ entschied sich für die Regierung der Republik als aus ihrer Sicht kleinerem Übel, weil es ihr im Wesentlichen um die Autonomie ging. Daher stellte die republikanische Seite im Baskenland nicht die Gefahr für die Kirche dar wie andernorts in Spanien. Getreu dem Motto „der Freund meines Feindes ist mein Feind“ waren Klerus und bekennende Gläubige jedoch der Verfolgung von franquistischer Seite bei deren Vorrücken ausgesetzt. Die Bischöfe waren durch ihre exponierte Stellung in einer besonderen, verzwickten Lage. Sie sahen sich gezwungen, über das Unrecht schweigen zu müssen.
Im Jahr 2009 kam es schließlich zu einem denkwürdigen Schuldbekenntnis durch die Nachfolger der seinerzeit verantwortlichen Hirten: Sie gestanden ein, dass damals schuldhaft zu Morden an Priestern durch die Hand nationalistischer Kräfte geschwiegen wurde. Die Erinnerung an diese Opfer sei nie verschwunden, sagte damals der Bischof von Vitoria, Miguel Asurmendi Aramendia. „Was nicht mehr zu rechtfertigen und unannehmbar ist, ist das Schweigen, mit dem unsere offiziellen kirchlichen Medien deren Tod umhüllt haben. Wir glauben, dass so ein langes Schweigen nicht bloß ein Unterlassungsfehler war, sondern ebenso ein Mangel an Wahrheit und ein Akt, der sich gegen Gerechtigkeit und Nächstenliebe richtete, weshalb wir bescheiden um Vergebung durch Gott und unsere Geschwister bitten“, sagte der Bischof im Namen aller baskischen Bischöfe. (mk)

Foto: Bartolomé Blanco Márquez; privat

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