Märtyrerin April 2025
Vor zehn Jahren wurde Schwester Stefanie Tiefenbacher ermordet
Am 21. April 2015 berichtete die vatikanische Nachrichtenagentur Fides über den Mord an der österreichischen Ordensfrau Stefanie Tiefenbacher, der sich drei Tage zuvor in der südafrikanischen Stadt Ixopo (Provinz KwaZulu-Natal) zugetragen hatte.
Eine Mitschwester fand die 83-Jährige um drei Uhr nachts mit einem Handtuch geknebelt und gefesselt regungslos in ihrem Zimmer vor. Es stellte sich heraus, dass die Mariannhiller Missionsschwester vom Kostbaren Blut, die kurz vor ihrem 65-jährigen Professjubiläum stand, vergewaltigt und erstickt worden war. In dem jüngst erschienenen Band „Christliche deutsch-sprachige Märtyrer (2000-2024)“ von Prälat Helmut Moll ist Näheres über ihr Leben zu erfahren. Das Mordopfer stammte aus der damals rund 2.500 Einwohner zählenden niederösterreichischen Marktgemeinde Kirchberg an der Pielach, wo sie 1932 zur Welt kam.
Gleich nach dem Ende der Schulzeit 1947 trat Stefanie Tiefenbacher der Kongregation bei, und zwar im Kloster Wernberg in Kärnten, wo sich die größte Gemeinschaft der Missionsschwestern in Österreich befindet. Bereits 1952 ging sie nach Südafrika. Dort lebte und wirkte sie 62 Jahre lang in der Missionsstation „Sacred Heart“ und zuletzt leitete sie das Schulbüro in Ixopo. Schwester Stefanie nahm sich vor allem der Kinder aus wirtschaftlich benachteiligten Familien in der Region an, deren Bevölkerung zu drei Vierteln Angehörige der Ethnie der Zulu sind.
„Mit Nachdruck arbeiteten die Kriminalbeamten an der Suche nach den mutmaßlichen Tätern, die bald gefasst werden konnten. Wegen Mord, Raub und Vergewaltigung wurden die Mitte 20-jährigen Männer zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt, wie die Richterin im südafrikanischen Pietermaritzburg verkündete“, heißt es in dem bereits genannten Band. Das Gericht kam zu der Überzeugung, dass die Täter es auf Geld und Wertsachen abgesehen hatten.
An ihrem Wirkungsort nahmen hunderte Menschen am Begräbnis teil; auch in ihrem niederösterreichischen Heimatort fand ein Trauergottesdienst statt.
Die vatikanischen Nachrichtenagentur Fides führte Schwester Stefanie 2015 in ihrem Jahresbericht als Märtyrerin auf. Im Laufe der Kirchengeschichte wurden Opfer von Raubmord mehrfach zu Märtyrern erklärt, wenn sie sich der Gefahr ihrer Mission bewusst waren. Insbesondere im karitativen Dienst müssen diejenigen, die dazu berufen sind, Hilfsgüter sowie Geldbeträge verfügbar halten. Um die Schwelle zu ihren Hilfsangeboten niedrig zu halten, wollen sie sich nicht hinter hohen Sicherheitszäunen abschotten. Wer sich dessen bewusst ist, dass der Einsatz für die Bedürftigsten unter Umständen eine größere Gefährdung bedeutet, beweist durch die Treue in diesem Dienst auch seine Opferbereitschaft, im Extremfall bis zum Verzicht auf das irdische Leben.
Seit der damalige Präsident Jacob Zuma 2009 (im Amt bis 2018) sein Amt angetreten hatte, wurden die Sicherheitsbehörden aufgrund von zunehmender Korruption in ihrer Schlagkraft gegen Verbrechen geschwächt; die südafrikanische Verbrechensstatistik wies spätestens seit 2012 einen deutlichen Anstieg der Mordrate auf. Trotz der unsicheren Lage, insbesondere an sozialen Brennpunkten, setzte Schwester Stefanie ihren Dienst bis zum Blutzeugnis unbeirrt fort.
Michaela Koller
Lesetipp: Helmut Moll. „Christliche deutsch-sprachige Märtyrer (2000-2024)“. Mit einem Vorwort von Kardinal Kurt Koch, erschienen im Dominus-Verlag in Augsburg 2025.
Foto: Schwester Stefanie Tiefenbacer; Mariannhiller Missionsschwestern