Christuszeugnis unter der Schreckensherrschaft in Argentinien

Jul 2, 2026 | Märtyrer des Monats, Meldungen

Foto: Gedenktafel in der Kirche Sankt Silvester in Rom; Copyright: Presidencia de la Nación Argentina

Märtyrer des Monats Juli 2026

Militär verübte das Massaker in der Pfarrei San Patricio

Vor fünfzig Jahren, am 4. Juli 1976, erlitten die drei Patres der argentinischen Pallottiner-Gemeinschaft Alfredo Leaden, Alfredo Kelly und Pedro Duffau zusammen mit den Seminaristen Salvador Barbeito und Emilio Barletti das Martyrium in der Pfarrei San Patricio (Sankt Patrick) im Stadtteil Begrano in Buenos Aires. Ihr Blutzeugnis ging in die argentinische Geschichte unter dem Namen „Massaker von San Patricio“ ein. Die Präsenz der Pallottiner in dem lateinamerikanischen Land ergab sich, nachdem viele Iren in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts dorthin ausgewandert waren und irische Pallottiner wiederum deren Ruf nach Seelsorgern in die Neue Welt folgten. So brachten sie auch die Verehrung für ihren Nationalheiligen Patrick mit nach Argentinien.

Die Mörder kamen bei Nacht

Über die Nacht der Bluttat berichteten später jugendliche Zeugen: Sie sahen zunächst gegen ein Uhr in der Nacht zwei Wagen vor der Kirche parken. Einer der Jungen befürchtete anfänglich, dass es sich um Terroristen handeln könnte, die seinem Vater, der dem Militär angehörte, auflauerten. Daher meldete er diese Beobachtung bei einer Polizeiwache. Ein Polizist kam schließlich, um nach dem Rechten zu sehen. Er sprach sogar mit den in den Wagen Wartenden und ging wieder fort. Als bereits eine Stunde verstrichen war, schlichen sich einige bewaffnete Personen aus den Autos und drangen in die Sankt-Patricks-Kirche ein.
Am nächsten Morgen kamen Gläubige zur gewohnten Zeit zur Frühmesse. Sie fanden das Gotteshaus jedoch verschlossen vor. Der Gemeindeorganist verschaffte sich schließlich durch ein Fenster Zutritt und wurde mit einer grauenvollen Entdeckung im ersten Stock des Pfarrhauses konfrontiert: Er fand die Leichen der drei Priester und zwei Seminaristen offensichtlich von Geschossen durchlöchert in Blutlachen.
Am Tatort waren mit Kreide verfasste Slogans hinterlassen worden, darunter der Satz: „Diese Linken wurden getötet, weil sie unschuldige Seelen indoktrinierten, und zur M.S.T.M. gehörten (Abkürzung für „Bewegung von Priestern für die Dritte Welt“). In der Tageszeitung La Nación, deren Redaktion der Diktatur nahestand, wurde die Tat dennoch linken Kräften zugeschrieben. Diese Schreckensherrschaft der Oberbefehlshaber von Heer, Luftwaffe und Marine hatte mit einem Militärputsch gegen Präsidentin Isabel Perón, Nachfolgerin ihres am 1. Juli 1974 verstorbenen Ehemannes Juan Domingo Perón, am 24. März 1976 begonnen und dauerte bis Ende 1983.

Vorgeschichte der Gewaltexzesse

Der Dammbruch der politischen Kultur war aber bereits Jahre zuvor erfolgt, spätestens mit der Gründung der Alianza Anticomunista Argentina (Antikommunistische Allianz Argentinien – kurz AAA), im Juli 1973, einer paramilitärischen Terrorgruppe, durch Sozialminister José López Rega, in dieser Funktion unter Raúl Lastiri, Juan Perón und später dessen Witwe. So berichtete das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ in seiner Ausgabe vom 3. November 1974: „Kein Tag vergeht ohne Schießereien, Überfälle oder Entführungen, kaum eine Nacht ohne Bombenexplosionen: Zunehmend wird die Politik des zweitgrößten Landes in Südamerika geprägt durch die kaum noch zu überblickende Gewalttätigkeit vielfältiger Gruppen und Kommandos der Ultrarechten und extremen Linken.“

Zehntausende Todesopfer

Nach der Machtübernahme durch die Junta verübte das Militär selbst solche Gewalttaten wie Entführungen, Morde, Folterungen und Verschwindenlassen. Bereits zu Beginn der Diktatur hatte General Luciano Benjamín Menéndez ihr grausiges Vorhaben verraten: „Wir werden 50.000 Menschen töten müssen. 25.000 Subversive, 20.000 Sympathisanten und wir werden 5.000 Fehler machen.“ Es fielen schätzungsweise 30.000 Menschen dem Staatsterrorismus unter Diktator Jorge Rafael Videla zum Opfer. Priester und andere christliche Autoritäten, die das monströse Unrecht anprangerten, gerieten ins Fadenkreuz des Militärs, darunter offensichtlich auch Alfredo Leaden, Alfredo Kelly und Pedro Duffau, Salvador Barbeito und Emilio Barletti.

Nachforschungen zu Tätern und Opfern

Bereits im Jahr 1984 beschäftigte sich die CONADEP-Kommission mit diesem Massaker, die vom ersten demokratischen Präsidenten nach Ende der Diktatur, Raúl Alfonsin, eingesetzt worden war. Im Zuge dieser Aufklärung wurde Flottillenadmiral Ruben Chamorro als derjenige genannt, der den Mordbefehl erteilte. Der Bericht der Kommission wurde zur Grundlage für die Ermittlungen der Staatsanwälte Julio Strassera und Luis Moreno Ocampo im Vorfeld des historischen Prozesses von 1985. Der damalige Erzbischof von Buenos Aires, Jorge Bergoglio, der spätere Papst Franziskus, setzte im Jahr 2005 die Kommission „Ne pereant probationes“ („Damit die Beweise nicht verlorengehen“) ein und unterstützte ein Seligsprechungsverfahren. Dabei wird es einerseits um die Fragen gehen, ob die Tat „aus Hass auf den Glauben“ verübt wurde, andererseits wird das persönliche Glaubenszeugnis jedes einzelnen Opfers betrachtet.

Blutzeugen im Alter zwischen 23 und 67 Jahren

Pater Alfredo Leaden war Provinzdelegat der irischen Pallottiner in Argentinien und zum Tatzeitpunkt 57 Jahre alt. Er wurde am 23. Mai 1919 in Buenos Aires als Sohn von Eltern mit irischer Abstammung geboren. Unter seinen sieben Geschwistern entschied sich auch sein Bruder Guillermo Priester zu werden; später wurde er Weihbischof von Buenos Aires. Eine Zeit lang studierte Leaden auch in Rom, musste sein Studium jedoch aufgrund des Zweiten Weltkrieges unterbrechen und in der Heimat abschließen, wo er 1942 zum Priester geweiht wurde.
Sein Mitbruder Pater Pedro Duffau war zehn Jahre älter als Leaden und im Schul- sowie Pfarrdienst eingesetzt. Seine Eltern starben, als er klein war. Zusammen mit seiner Schwester, die später ebenfalls Ordensfrau wurde, wuchs er bei seiner französischen Großmutter auf. Duffau wurde 1933 in Rom zum Priester geweiht.
Der 43-jährige Pater Alfredo Kelly war geistlicher Begleiter des späteren Kardinalerzbischofs von Buenos Aires, Jorge Bergoglio. Er fungierte als Pfarrer der San-Patricio-Gemeinde und war zugleich für die Ausbildung der Theologiestudenten sowie für ein diözesanes Katechetenseminar verantwortlich. Er war als Jüngster mit sechs Geschwistern in einer irischstämmigen Familie aufgewachsen. Schon in jungen Jahren trat er den Pallottinern bei und absolvierte sein Studium in Buenos Aires und Rom. Im Jahr 1957 erfolgte die Priesterweihe.
Der 29-jährige Salvador Barbeito war ein Spätberufener im Seminar. Als Kind mit seinen Eltern aus Spanien eingewandert, studierte er später Philosophie und Psychologie und war zudem als Katechet tätig. Er arbeitete als Gymnasiallehrer mit tiefem Interesse an der akademischen und spirituellen Ausbildung junger Menschen. Im Jahr 1974 wurde er zum Rektor der von den maronitischen Patres geführten Sekundarschule in Buenos Aires ernannt. Obwohl er bereits eine Karriere vorzuweisen hatte, trat er 1975 in das Ausbildungshaus der Pallottiner ein.
Sein 23-jähriger Mitseminarist Emilio Barletti wuchs bei einer tiefgläubigen Mutter auf; sein Vater starb bereits, als Emilio erst zwei Jahre alt war. Nach dem Schulabschluss ging er an die Katholische Universität von Buenos Aires, wo er ein Jurastudium begann. Nach drei Jahren beschloss er, als Priesteramtskandidat in das Ausbildungshaus der Pallottiner einzutreten.
Wegen ihres Zeugnisses für Christus wurden alle fünf Männer gemeinsam zu Opfern, die nicht vergessen werden dürfen.
Michaela Koller

Foto: Gedenktafel in der Kirche Sankt Silvester in Rom; Copyright: Presidencia de la Nación Argentina

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