Märtyrer des Monats April 2026
Vor 20 Jahre erlag er am 14. April nach einer Attacke seinen Verletzungen
Es war am Freitag vor Palmsonntag im Jahr 2006, als sich koptisch-orthodoxe Christen in der ägyptischen Küstenstadt Alexandria in mehreren Kirchen zu Gottesdiensten versammelt hatten. Plötzlich eilte ein Mann in die Al-Qiddissine-Kirche hinein, die den Heiligen Petrus und Markus geweiht ist. „Allahu akbar“ hallte es im nächsten Moment im Innern wider, was so viel heißt wie „Allah ist größer“. Gleich darauf stach der Eindringling auf einige der dort versammelten Gläubigen ein. Dabei wurde der 78-jährige Kopte Nushi Atta Girgis schwer verletzt. Zeugen riefen einen Krankenwagen, der Girgis in die Klinik brachte. Dort erlag der Mann jedoch seinen Verletzungen.
Etwa zur gleichen Zeit stürmte ein Attentäter in die Sankt-Georgs-Kirche und griff dort ebenso unter Rufen wie „Es gibt keinen Gott außer Allah“ und „Allahu akbar“ Besucher mit einem Messer an. In einer offenbar koordinierten Kette von Attacken kam es zudem in einem weiteren Gotteshaus zu Blutvergießen. Der Versuch eines dritten Fanatikers, in eine vierte Kirche bewaffnet vorzudringen, wurde schließlich von Sicherheitskräften vereitelt.
Laut Ermittler wollten die Angreifer an den christlichen Gemeinden Rache üben als Reaktion auf die Veröffentlichung von Karikaturen, die sich einige Monate zuvor mit dem islamischen Religionsstifter Mohammed auseinandersetzten. Diese Zeichnungen erschienen zunächst am 30. September 2005 in der dänischen Tageszeitung Jyllands-Posten und wurden dann einige Wochen darauf auch in einer ägyptischen Zeitung nachgedruckt. Diese Vorgänge lösten diplomatische Konflikte aus. Zudem sahen sich Muslime weltweit zu teilweise massiv-gewaltsamen Ausschreitungen veranlasst, weil sie ihre Religion herabgesetzt sahen. Jedoch wurde der Karikaturenstreit zusätzlich durch Fake-Zeichnungen angefacht, die von Jyllands-Posten weder veröffentlicht noch beauftragt worden waren. Zudem wurde die religionskritische Provokation von Islamisten zum Vorwand genommen, um Hass-Propaganda nicht nur gegen „den Westen“ im Allgemeinen, sondern auch speziell gegen Juden und Christen zu verbreiten. In mehreren Ländern löste diese Welle eine Christenverfolgung aus.
Am nächsten Tag nahmen etwa 3.000 Christen an der Beisetzungsprozession für Nushi Atta Girgis teil. Die Trauernden protestierten anschließend vor der Kirche und forderten besseren Schutz durch die Regierung. Radikalislamische Kräfte reagierten darauf und stürmten die Polizeisperre. Es kam zu gewaltsamen Zusammenstößen, bei denen ein muslimischer Mann getötet wurde. Die Polizei nahm Dutzende Menschen fest. Trotzdem dauerten die Auseinandersetzungen bis zum nächsten Tag an, wobei es auch zu erheblichem Sachschaden kam: Zahlreiche Geschäfte und Autos wurden in Brand gesetzt.
Die koptisch-orthodoxe Kirche verehrt die Opfer aus ihren Reihen, die aus Hass auf den christlichen Glauben ermordet wurden, als Märtyrer, stellt sie üblicherweise bildlich mit einer Krone dar und legt einen eigenen Gedenktag im Jahr für ihr Martyrium fest. Die Al-Qiddissine-Kirche, in der Girgis die tödlichen Verletzungen zugefügt wurden, war in der Silvesternacht 2010 Schauplatz eines der blutigsten islamistischen Attentate auf die christliche Minderheit: Gerade als die Gläubigen die Mitternachtsmesse verließen, explodierte davor eine Autobombe, wodurch mehr als 20 Besucher ums Leben kamen.
Michaela Koller
Foto: Christusdarstellung mit Porträt von Terroropfern/ Märtyrern im Innern der Al-Qiddissine-Kirche
