„Ich weiß, dass es eine Kugel mit meinem Namen gibt“

Mai 18, 2022 | Märtyrer des Monats

Schwester Leonella ahnte ihr Schicksal voraus

Schwester Leonella Sgorbati wurde am 9. Dezember 1940 in Gazzola bei Piacenza in der norditalienischen Region Emilia-Romagna geboren. Ihre Eltern ließen sie auf den Namen Rosa taufen. Sie trat 1963 in den Orden der Consolata-Missionsschwestern in piemontesischen Sanfrè bei Cuneo ein. Sie erhielt den Ordensnamen Leonella und wurde in England von 1966 bis 1968 als Krankenschwester ausgebildet. Im Jahr 1970 wurde sie nach Kenia entsandt, 1972 legte sie die Ewigen Gelübde ab. In dem ostafrikanischen Land blieb sie drei Jahrzehnte, arbeitete als Hebamme und gründete mehrere Krankenpflegeschulen. Sie ist dort noch immer in bester Erinnerung und fand auch in der kenianischen Hauptstadt Nairobi schließlich ihre letzte Ruhestätte. Für ihre Schülerinnen war sie wie eine Mutter. Zugleich setzte sie sich im Vorstand einer religiösen Frauenvereinigung des Landes für gerechte Löhne und Arbeitsbedingungen ein. Von 1993 bis 1999 war sie die Provinzobere der kenianischen Consolata-Missionsschwestern. Nach einem Sabbatjahr ging sie 2001 in die somalische Hauptstadt Mogadischu und gründete dort eine Krankenpflegeschule für das Krankenhaus des SOS-Kinderdorfes deren Leitung sie seit 2002 innehatte. Sie war sich der Gefahren als christliche Ordensfrau in dem radikalislamischen Land bewusst. Am Mittag des 17. September 2006 wurde sie beim Überqueren einer Straße von vier Kugeln in den Rücken getroffen und verstarb kurz darauf im Krankenhaus. Ihr Leibwächter wurde ebenfalls getötet. Der Mord wurde verschiedentlich als Reaktion auf die Regensburger Rede des Papst Benedikts XVI. gewertet. Jedoch rechneten die Christen in Somalia, darunter Schwester Leonella, seit Monaten bereits mit Angriffen gewaltbereiter Muslime gegen christliche Ziele. Sie hatte daher auch Personenschutz. Ihre letzten Worte im Krankenhaus waren „Perdono, perdono!“ („Ich vergebe, ich vergebe!“). Es wurden zwei Verdächtige verhaftet, die Ermittlungen blieben jedoch bislang ohne Ergebnis. Papst Benedikt XVI. drückte am Tag nach dem Mord in einem Beileidstelegramm an die Missionsschwestern seine tiefe Erschütterung aus und würdigte Schwester Leonellas Einsatz unter höchster Gefahr bei seiner Ansprache zum Angelusgebet am darauffolgenden Sonntag. Das Kreuz von Schwester Leonella befindet sich seit Oktober 2008 in der Kirche San Bartolomeo all’Isola in Rom, die den Märtyrern des 20. Jahrhunderts gewidmet ist. Papst Franziskus erkannte am 8. November 2017 den Tod Leonella Sgorbatis als Martyrium an. Am 26. Mai 2018 wurde sie in der Kathedrale von Piacenza im Rahmen einer Messe mit Kardinal Angelo Amato, damals Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, seliggesprochen.

Schwester Leonella Sgorbati – Märtyrerin Mai 2022 Im März 2006 – ein halbes Jahr vor ihrem gewaltsamen Tod – gab Schwester Leonella Sgorbati während eines Italienaufenthaltes einem Fernsehsender ein Interview. Dabei sagte sie:  „Ich weiß, dass es eine Kugel mit meinem Namen darauf gibt. Ich weiß nicht, wann sie ankommt. Aber solange sie nicht ankommt, bleibe ich in Somalia.“ (Walter Flick)

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